Liebe Mutter, lieber Vater und an alle, die sich um ein fiebriges Kind kümmern,
es ist mir bewusst, dass du dich um dein fieberndes Kind sorgst, doch solltest du folgendes zum Thema wissen:
Fieber selbst ist keine Krankheit, sondern nur ein Symptom. Es wird vom Körper ausgelöst als Abwehrreaktion und damit zur Unterstützung bei der Bekämpfung von Krankheitserregern. Durch bestimmte Botenstoffe, die in Folge von bakteriellen oder viralen Entzündungen entstehen, wird der Temperatursollwert im Gehirn erhöht. Damit der Körper die neue Temperatur erreicht, muss er nun „Hitze“ erzeugen durch Muskelzittern, Frieren, Abziehen der Wärme aus den äußeren Regionen wie den Händen und Füßen. Alle diese Zeichen sind dir bekannt beim Fieberanstieg deines Kindes. Doch keine Bange, die Temperatur steigt nicht ins Unermessliche. Die Obergrenze liegt meist bei 41,5°C. Höhere Temperaturen werden nur selten und bei bestimmten Erkrankungen wie z.B. Tetanus beobachtet.
Die normale Körpertemperatur liegt zwischen 36,5°C und 37,5°C – morgens im unteren Bereich, abends im höheren. Bei Werten bis 38,5°C spricht man von „erhöhter Temperatur“, darüber bezeichnet man sie als Fieber. Bei Kindern unter drei Monaten spricht bereits von Fieber, wenn die Temperatur im Po gemessen bereits über 38,0°C liegt.
Was passiert nun im Körper durch das Fieber?
Der Stoffwechsel deines Kindes wird angeregt, die Aktivität im Körper erhöht. Das bedeutet mehr Sauerstoffverbrauch und Schwitzen beginnt. Die Gehirnzellen werden empfindlicher und reagieren dadurch vermehrt auf äußere Reize, dein Kind träumt stärker bis hin zu Halluzinationen.
Hat Fieber auch positive Auswirkungen?
Ja, es unterstützt die Immunabwehr deines Kindes und damit den Heilungsprozess. Experten schreiben dem Fieber sogar eine krebsvorbeugende Wirkung zu. Daher sollte es nicht sofort mit Fieberzäpfchen gesenkt werden.
Je höher, umso gefährlicher?
Nicht generell, denn es gibt Erkrankungen, bei denen Kinder sehr hoch fiebern z.B. beim Drei-Tage-Fieber, einer harmlosen Virusinfektion. Im Gegensatz dazu können wirklich gefährliche Erkrankungen wie bestimmte Gehirnhautentzündungen nur mit mäßigem Fieber einhergehen.
Wie misst du richtig Fieber?
Die exakteste Methode ist immer noch das Messen mit einem digitalen Thermometer im Po. Es gibt mittlerweile Fieberthermometer, die in Sekundenschnelle die Körpertemperatur anzeigen. Bis dein das Kind merkt, was los ist, liegt das Ergebnis bereits vor. Dennoch ist es wichtig, dass du dein Kind vorwarnst und mit ihm sprichst, damit es merkt, es ist etwas ganz Normales. Wenn du das Thermometer vor dem Messen an der Spitze mit Creme einfettest, gleitet es ohne Schmerzen hervorzurufen, in den After. Thermometer mit einer flexiblen Spitze sorgen zusätzlich für angenehmeres Messen.
Messe das Fieber unbedingt immer mit der gleichen Methode, damit du verlässliche Vergleichswerte erhältst. Ohrthermometer sind bei Babys nicht geeignet, da ihre Gehörgänge noch sehr eng sind und Verletzungsgefahr besteht. Schnuller- oder Stirnthermometer liefern nur sehr ungenaue Ergebnisse.
Wann zum Arzt?
Genaue Temperaturwerte gibt es nicht, ab wann ein Arztbesuch anzuraten ist. Beobachte dein Kind, welche Symptome es hat und ob eine Verschlechterung eintritt. Warnzeichen sind laut Fieberleitlinie:
- Bewusstseinsstörungen: Dein Kind ist benommen, orientierungslos, nicht ansprechbar und stark schläfrig
- Es reagiert empfindlich bei Berührungen
- Es hat starke Schmerzen
- Es schreit schrill
- Du kannst Hauteinblutungen (ein Hautausschlag der nicht wegdrückbar ist, zum Beispiel mit einem Glas durch das man schaut) feststellen
- Dein wirkt Kind schwer krank
- Austrocknung, zum Beispiel seit mehr als 12 Stunden keine Urinausscheidung
- Dein Kind atmet sehr schnell oder leidet an Luftnot
„Arztweisend“ ist auch das Alter deines Kindes. Grundsätzlich kann bei Säuglingen rascher eine Verschlechterung ihres Krankheitszustandes eintreten, sie trocknen auch schneller aus. Deshalb solltest du den Kinderarzt aufsuchen bei:
- Kinder unter 3 Monaten mit 38 °C, im Po gemessen
- Fieber länger als 3 Tage
- älteren Säuglingen mit einer Temperatur über 38,4°C
- allen Kleinkindern, die jünger als 4 Jahre sind mit Temperaturen über 39°C ohne klare sonstige Krankheitssymptome wie z.B. einer Erkältung
- wiederkehrendem Fieber nach einem fieberfreien Intervall von wenigen Tagen
- bereits morgendlichem hohem Fieber oder wenn sich das Fieber auch mit Fieberzäpfchen nicht senken lässt.
- Und wenn du ein unsicheres Gefühl bezüglich des Zustandes deines Kindes hast, gehst du zum Abklären und damit du wieder beruhigt bist, auch zum Kinderarzt. Lieber einmal zu oft als zu wenig!
Der gefürchtete Fieberkrampf – was steckt dahinter?
Durch die bereits oben erwähnte erhöhte Reizbarkeit des Gehirns, kann auch ein Fieberkrampf ausgelöst werden. 4% aller Kinder erleiden im Alter zwischen 6 Monaten und vier Jahren einen Fieberkrampf. Die genaue Ursache kennt man noch nicht. Man vermutet einen Zusammenhang mit einem raschen Fieberanstieg. Fieberkrämpfe treten in den meisten Fällen erst bei einer Temperatur über 38,9°C auf. Zuckungen können sich dann über den gesamten Körper des Kindes ausbreiten, Verkrampfungen können auftreten, manche Kinder verdrehen während des Krampfes auch die Augen. Es ist sicher nicht nur für dich, sondern für alle Eltern beängstigend, wenn sie einen Fieberkrampf bei ihrem Kind erleben, aber zum Glück hinterlässt er kaum Spätfolgen. Nur wenn ein Fieberkrampf länger als 20 Minuten anhält, könnten Störungen im Gehirn auftreten.
Wann zum Arzt bei einem Fieberkrampf?
- Wenn der Fieberkrampf zum ersten Mal auftritt, solltest du sofort einen Arzt rufen.
- Bei erneutem Auftreten von Fieberkrämpfen während der gleichen fieberhaften Erkrankung.
- Wenn der Fieberkrampf länger als 15 Minuten dauert
- Wenn dein Kind nach dem Fieberkrampf den Kopf nicht nach vorne beugen kann, Licht meidet und unter starken Kopfschmerzen leidet (Achtung: Gefahr einer Hirnhautentzündung)
Was kannst du tun, um deinem Kind Linderung zu verschaffen?
Das Wichtigste ist, dass du einfach da bist, deinem Kind Liebe und Geborgenheit vermittelst in einer ruhigen Umgebung. Sorge dafür, dass dein Kind ausreichend und ungestört schlafen kann. Und gib ihm die Zeit, die es benötigt, um gesund werden zu können. Es ist ein gravierender Fehler, noch kränkelnde Kinder wieder in die Kita, in den KiGa oder in die Schule zu schicken. Die Gefahr ist zu hoch, dass sie erneut mit einem Infekt erhalten, wenn ihre Rekonvaleszenzphase zu kurz war. Das gilt übrigens für Klein und Groß!
Wann ist Fieber senken notwendig?
Ist dein Kind trotz Fieber nur etwas weniger aktiv als im gesunden Zustand und ansonsten relativ fit, musst du keine Fieber senkenden Maßnahmen ergreifen. Hat es jedoch ziemlich mit dem Fieber zu „kämpfen“ in Form von Unruhe, Benommenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, oder die Temperatur klettert im Laufe des Vormittags schon in die Nähe der 40°C- Marke und/oder es hat bereits Fieberträume, dann solltest du das Fieber senken. Einen Fieberkrampf kannst du übrigens nicht verhindern, indem du vorzeitig fiebersenkende Medikamente gibst. Dieser Mythos hält sich hartnäckig, ist aber wissenschaftlich nicht nachweisbar.
Wie kannst du das Fieber senken?
Luftige Kleidung und eine leichte Baumwoll-Zudecke reichen bereits aus, wenn dein Kind heiß und schwitzig ist. Manchmal reicht umziehen in einen kühleren Schlafanzug und die Bettdecke auf die andere kalte Seite drehen schon aus, damit sich dein Kind wohler fühlt. Das Fieber lässt sich am natürlichsten mit kühlenden Wickeln oder Waschungen senken: Pulswickel und Waschung bereits für die Allerkleinsten, Wadenwickel erst ab 6 Monaten.
Alle genannten Wickel und Waschungen lässt du dir am besten von deiner Hebamme zeigen, denn man kann dabei tatsächlich so einiges verkehrt machen. Auch auf der Homepage von Wickel & Co. www.wickel-co.de erhältst du dazu wertvolle Tipps und Hinweise. Sowohl Wickel als auch Waschungen dürfen nicht durchgeführt werden, wenn dein Kind friert. Achte auf seine Arme und Beine. Sind sie heiß, dann kannst du fiebersenkende Maßnahmen ergreifen, nicht jedoch bei kalten Gliedmaßen. Dann braucht es Wärme (Wärmeflasche, Suppe, Tee).
Stellt sich der Erfolg mit Wickeln und Waschung nur mäßig oder gar nicht ein, kannst du auch mit Medikamenten das Fieber senken. Viburcol Zäpfchen Heel eigenen sich, wenn du ein naturheilkundliches Produkt einsetzen möchtest. Einen Effekt erreichen wir hiermit bereits, wenn das Kind mit dem Fieber besser klar kommt.
Nur wenn dein Kind Schmerzen hat oder zur Verbesserung seines Wohlbefindens, solltest du stärkere fiebersenkende Maßnahmen ergreifen. Aus dem schulmedizinischen Bereich gibt es gibt zwei Wirkstoffe, die bei Kindern eingesetzt werden: Paracetamol und Ibuprofen (erst ab 3 Monate). Sie reduzieren im Körper die Übeltäter, die für die Erhöhung des Temperatursollwertes verantwortlich sind. Zu dem wirken sie schmerzlindernd, Ibuprofen darüber hinaus auch entzündungshemmend.
Beide Arzneistoffe sind in Form von Zäpfchen und als Saft erhältlich. Achte genau auf eine exakte Dosierung! Die kannst du dem Beipackzettel entnehmen. Wichtig ist: bei beiden Medikamenten muss ein Mindestabstand eingehalten werden bevor du eine erneute Gabe verabreichst bzw. ein weiteres Zäpfchen schiebst – sechs bis acht Stunden bei Paracetamol, sechs Stunden bei Ibuprofen. Allerdings können beide Wirkstoffe im Extremfall abwechselnd unter Einhaltung der Mindestabstände und ausdrücklich nur nach Rücksprache mit einem Arzt gegeben werden. Das besprichst du bitte immer mit deinem Kinderarzt!
Auf keinen Fall solltest du deinem Kind Aspirin® (Wirkstoff: Acetylsalicylsäure = ASS) geben, wenn es noch keine 12 Jahre alt ist. Manche Kinder reagieren darauf mit einer schweren Stoffwechselentgleisung, dem sogenannten Reye-Syndrom, das lebensbedrohliche Zustände annehmen kann.
Achte auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr!
Fiebernde Kinder haben einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf. Oft verweigern sie eine Flüssigkeitsaufnahme oder sind zu schwach zum Trinken. Dennoch solltest du dafür sorgen, dass du deinem Kind in Wachphasen immer wieder Tee oder verdünnten Saft gibst. Hast du einen Säugling, dann solltest du ihn häufiger stillen. Einem nicht gestillten Baby kannst du immer wieder Tee und künstliche Säuglingsnahrung anbieten. Die Gefahr der Austrocknung ist nicht zu unterschätzen, ganz besonders bei Kindern unter einem Jahr (erkennbar an zu wenigen und zu dunklen Ausscheidungen).
Kinder über einem Jahr können Lindenblüten- oder Holunderblütentee erhalten:
½ Teelöffel Heilkräuter mit heißem Wasser überbrühen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und bei Bedarf mit wenig Honig süßen. Beide Kräuter wirken schweißtreibend und regen das Immunsystem an.
Das Zimmer lieber zu kühl als zu warm
Lüfte das Zimmer häufig indem dein krankes Kind liegt. Über 20°C sollte die Raumtemperatur nicht betragen. Sorge auch für eine ausreichende Luftfeuchtigkeit (evtl. nasse Tücher auf die Heizung legen).
Ich hoffe, ich konnte dir die Angst vor dem Fieber nehmen. Gute Besserung für dein Kind!
Die vorliegenden Informationen basieren auf dem aktuellen Stand des Wissens. Eine Haftung übernehme ich dafür nicht!
Empfehlenswerte Literatur
- Kinderleicht durch die Erkältungszeit, Clara Steinbrück, Eigenverlag, www.beipackwissen.de
- Wickel & Co. – Bärenstarke Hausmittel für Kinder, Ursula Uhlemayer, Urs Verlag